Safety first – Auch in der Land- und Forstwirtschaft

In der Landwirtschaft gibt es etliche Vorschriften zur Unfallverhütung, die eingehalten werden sollen und auch müssen. Das Wohl und die Sicherheit der in der Land-, Forstwirtschaft und im Kommunalbereich tätigen Arbeiter stehen dabei ganz klar im Vordergrund. Sie leisten tagtäglich harte Arbeit und riskieren dabei ihre Gesundheit. Doch welche Gefahren lauern wirklich und wie können Sie sich davor schützen? Traktorpool hat nachgefragt!

Hartmut Otto

Die Sozialversicherung für Landwirtschaft, Forsten und Gartenbau, kurz SVLFG, unterstützt in Sachen Sicherheit und bringt alltagstaugliche Tipps mit auf den Weg. Da das Thema auf unserem traktorpool-blog auch präsent ist, stand uns Hartmut Otto von der SVLFG, der im Bereich Prävention tätig ist, Rede und Antwort zu unseren Fragen.

Sicher in der Land-, Forstwirtschaft & Kommunalbereich

  1. Der Winter zeigt nicht nur seine schönen Seiten, sondern bringt auch viel Arbeit für Land- und Forstwirte mit sich, wenn es darum geht den Wald wieder von Sturm- und Windschäden aufzuräumen. Dabei bedarf es die Hilfe von erfahrenen Forstprofis im Umgang mit Maschinen und Technik um die Verletzungsgefahr zu minimieren. Welche Gefahren können am häufigsten bei Forstarbeiten im Winter auftreten?

Im Winter findet im Wesentlichen im Forst die Holzernte statt. Hierbei treten eine Vielzahl von Gefährdungen auf, die in drei kurzen Sätzen nicht beschrieben werden können. Daher stellen wir unseren Versicherten kostenlos diverse Informationen zur Verfügung, zum Beispiel die Broschüre Waldarbeit.
Außerdem findet man auf unseren Internetseiten unter der Rubrik „Prävention“ zum Thema Forst Praxishilfen, wie Handlungshilfen zur Gefährdungsbeurteilung, Musterbetriebsanweisungen und Checklisten sowie Filme und Fachinformationen.

Bei Arbeiten mit Sturmholz bzw. Windwurf empfehlen wir dringend, wichtige Punkte zu beachten. Welche das sind können Sie hier lesen. 

  1. Immer wieder tauchen in der Winterzeit Probleme und Fragen im Umgang mit Landmaschinen auf. Was ist Ihr Tipp für Landwirte, Maschinen wetterfest zu machen?

Wichtig ist es, die Maschinen standsicher einzulagern. Des Weiteren sollten hierzu Vorgaben der Hersteller aus der Bedienungsanleitung berücksichtigt werden.

  1. Auf dem Markt gibt es eine Vielzahl an Versicherungen in der Landwirtschaft. Welche Versicherungen sind Ihrer Meinung nach unabdingbar für Landwirte und Förster?

Als gesetzliche Sozialversicherung können wir hierzu keine pauschalen Empfehlungen geben, welche Versicherungen neben den gesetzlich verpflichtenden Versicherungen, zum Beispiel der KFZ-Haftpflicht, benötigt werden.

  1. Im Winterdienst wird große Arbeit geleistet. Auch hier lauern Gefahren durch die Witterungsverhältnisse und der körperlichen Anstrengung. Was geben Sie mit auf den Weg sich sicher im Winterdienst zu verhalten?

Die Winterdienstarbeiten stellen an das Personal besondere Anforderungen. Physische und psychische Belastungen sowie Unfälle werden verursacht durch:

  • Extreme Witterungsverhältnisse
  • Nachtarbeit und Übermüdung
  • Zeitdruck
  • Körperliche Beanspruchung
  • Arbeiten im öffentlichen Verkehrsbereich
  • Einsatz von Maschinen

In unserer Broschüre Winterdienst geben wir nützliche Hinweise zum Weg zur Arbeit, zum Körperschutz, zum richtigen Verhalten beim Räumen von Hand und zum Einsatz von Maschinen und zu deren technischen Ausstattung. Weiterhin wird in dieser Broschüre zu den Haftungsrisiken im Zusammenhang mit Räum- und Streupflicht informiert.

  1. Wenn es doch einmal zu einem Unfall gekommen ist, welche Sofortmaßnahmen sollen ergriffen werden? Wer ist beispielsweise zu verständigen?

Bei einem Unfall ist zuerst Erste Hilfe zu leisten und die Rettungskette (Notruf) in Gang zu setzen. Als Information stellen wir hierzu die Broschüre Erste Hilfe zur Verfügung.

Des Weiteren sollten aus einem Unfall Rückschlüsse auf die Ursache und zu treffende Maßnahmen gezogen werden, um solche Unfälle in Zukunft zu vermeiden.

Arbeitsunfälle, bei denen der Verunglückte länger als drei Tage arbeitsunfähig ist, müssen der zuständigen Berufsgenossenschaft unverzüglich gemeldet werden. Versicherte der SVLFG können dies telefonisch oder elektronisch erledigen. Weitere Infos finden Sie hier.

Nach einem Arbeitsunfall oder Wegeunfall, bei dem mit einer Arbeitsunfähigkeit zu rechnen ist, muss die erste Anlaufstelle ein sogenannter Durchgangsarzt (D-Arzt) sein. Ein solcher ist in der Regel als Chirurg oder Orthopäde niedergelassen oder ist an einer Klinik tätig. Bundesweit sind über 3.500 niedergelassene und an Kliniken tätige Ärzte vertraglich in das D-Arzt-Verfahren eingebunden. Sie sind in einer Datenbank erfasst, die eine gezielte Suche ermöglicht.

  1. Welche Schulungen und Fortbildungsmaßnahmen sollte jeder Landwirt und Förster besuchen?

In Betrieben ab zehn Beschäftigten müssen Ersthelfer ausgebildet sein. Jeweils einer pro zehn Beschäftigte. In kleineren Unternehmen muss zumindest eine Person den Erste-Hilfe-Kurs „Sofortmaßnahmen“ absolviert haben.
Weitere Seminare zum Arbeitsschutz sind je nach Ausrichtung des Betriebes individuell nötig. Informationen zum Seminarprogramm finden Sie hier. Des Weiteren werden Motorsägenkurse für Versicherte gefördert, wenn bestimmte Voraussetzungen vorliegen.

  1. Um den Hof nach dem Winter wieder auf Vordermann zu bringen, führen viele einen sogenannten Frühjahrsputz durch. Gibt es im Umgang mit landwirtschaftlichen Maschinen etwas zu beachten, was zu Gefahren führen kann?

Bei den Wartungsarbeiten nach der Einlagerung im Winter kommt es immer wieder zu Unfällen durch Abstürzen. So wird zum Beispiel beim Wechsel beziehungsweise der Reinigung des Kabinenfilters oder Abschmierarbeiten nicht von einem absturzsicheren Standplatz aus gearbeitet. Hier ist zu beachten, dass die geeigneten Arbeitsmittel, beispielsweise ein Fahrgerüst, zur Verfügung stehen.
Werden Fahrzeugbatterien geladen, so muss dies in gut belüfteten Bereichen geschehen, da sich hier gasförmiger Wasserstoff bilden kann.
In unserer Broschüre Instandhaltung findet man hierzu weitere Informationen.

  1. Die Ausstattung bei einem Traktor wird immer komfortabler, sodass auch der Trecker in punkto ergonomischer Arbeitsplatz ganz weit vorne ist, zumal der Landwirt viel Arbeitszeit auf seinem Traktor verbringt. Das schont vor allem den Rücken und somit auch die Gesundheit. Welche Anforderungen sollten im Arbeitsalltag des Landwirtes noch berücksichtigt werden?

Bei der Neuanschaffung von Traktoren wird meist nach Kostengesichtspunkten, Wirtschaftlichkeit und Leistungsdaten die Auswahl getroffen. Belange des Arbeitsschutzes, wie Kabinengröße, Lärm, Vibrationen, ergonomische Gestaltung von Anzeigen oder Bedienteile spielen eine untergeordnete Rolle. Wir empfehlen dringend zumindest bei der Auswahl des Schleppersitzes nicht das Standardmodell, sondern den meist gegen Aufpreis angebotenen besseren Sitz auszuwählen. Bei manchen Modellen ist auch die Kabinenfederung optional auswählbar. Zu beachten ist auch, dass die Fahrersitze regelmäßig gewartet werden müssen, um funktionsfähig zu sein.
Ein großes Problem beim Umgang mit Traktoren ist das richtige Auf- und Absteigen. Gerade jüngere Landwirte neigen dazu, vorwärts abzusteigen und dann abzuspringen. Hierbei kommt es sehr oft zu schweren Sprunggelenksverletzungen, die oft eine längere Arbeitsunfähigkeit zur Folge haben. Des Weiteren führt das Abspringen zu erheblichen Belastungen der Wirbelsäule und der Gelenke, da beim Abspringen bis zum vierfachen Körpergewicht auf diesen lastet. Daher vorwärts Aufsteigen und rückwärts Absteigen!
Weiterhin sollte die Arbeitszeit im vertretbaren Rahmen bleiben. Zu lange Fahrzeiten und unzureichende Pausen führen zur Übermüdung und zu Konzentrationsproblemen, was wiederum zu schweren Unfällen, aber auch zu großen Sachschäden, führen kann. Dies gilt besonders für Nachtarbeit.

Danke an die SVLFG für die Zusammenarbeit und für das Interview!

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