Versicherung, Führerschein, Steuern – Das braucht der Traktorfahrer

Schlepper fahren ist ein ganz eigenes Lebensgefühl: Doch um sicher und vor allem abgesichert am Straßenverkehr teilnehmen zu können, gibt es einiges zu beachten: Welche Versicherung braucht der Traktor? Wann sind die Steuern fällig? Welchen Führerschein braucht der Traktorfahrer?

Versicherung

Der Traktorführerschein

Wer einen Traktor fahren möchte, ganz gleich ob beruflich oder in seiner Freizeit, benötigt einen hierfür spezifischen Führerschein. Beim Traktorführerschein wird in zwei Klassen unterschieden: L und T.

Grundsätzlich kann der Führerschein der Klasse L mit 16 gemacht werden, mit einer speziellen Sondergenehmigung kann in Ausnahmefällen der Führerschein auch schon mit 15 Jahren angemeldet werden. Der Führerschein der Klasse L gilt für kleinere Traktoren. Hierunter fallen Traktoren, die eine Höchstgeschwindigkeit von 40 km/h nicht überschreiten sowie Traktoren mit Anhänger, Stapler (mit und ohne Anhänger), selbstfahrende Arbeitsmaschinen und Flurförderfahrzeuge mit einer Maximalgeschwindigkeit von 25 km/h. Anhänger müssen überdies mit einem sichtbaren Geschwindigkeitsschild ausgestattet sein. Mit dem Führerschein der Klasse T dürfen auch die größeren Traktoren gefahren werden. Wenn der Führerschein mit 18 Jahren abgeschlossen wird, fallen hierunter land- und forstwirtschaftliche Zugmaschinen mit Geschwindigkeiten bis maximal 60 km/h, wahlweise auch mit Anhänger. Des Weiteren zählen hierzu selbstfahrende Arbeitsmaschinen mit und ohne Anhänger, die Geschwindigkeiten bis 40 km/h erreichen. Ist der Führerscheinanwärter unter 18 Jahre alt, dürfen nur Zugmaschinen gefahren werden, die maximale Geschwindigkeiten von 40 km/h nicht überschreiten.

Generell gilt, dass mit einem normalen Autoführerschein der Klasse B laut Verordnung auch sämtliche Zugmaschinen gefahren werden dürfen, die unter die Klasse L fallen. Wer also bereits einen Führerschein der Klasse B besitzt oder zeitnah anstrebt kann hier viel Geld sparen. Um Zugmaschinen der Klasse T zu fahren ist eine gesonderte Prüfung jedoch unumgänglich.

Ein besonders wichtiger Aspekt des Traktorführerscheins sind die hiermit verbundenen Kosten. Diese fallen regional sehr unterschiedlich aus. Bei einer Prüfung für den Führerschein der Klasse L muss grundsätzlich mit ca. 300 bis 400 € gerechnet werden, für die Prüfung der Klasse T mit 700 bis 1.000 €. Der deutlich höhere Beitrag für die T-Klasse ergibt sich daraus, dass für den Führerschein der Klasse T im Gegensatz zur Klasse L auch praktische Fahrstunden von Nöten sind.

Insgesamt beinhaltet die Klasse L 12 Stunden Theorieunterricht zum Grundstoff sowie 2 Stunden Theorieunterricht für Zusatzstoff. Für die Klasse T müssen ebenfalls 12 Stunden Grundstoff belegt werden, allerdings reduziert sich diese Zahl auf 6 Stunden, wenn der Fahrer bereits einen PKW-Führerschein besitzt. Zusätzlich dazu gibt es 6 Theoriestunden, die sich mit Zusatzstoff beschäftigen. Die Anzahl der praktischen Fahrstunden, die für den T-Führerschein anfallen, kann im Vorhinein nicht bestimmt werden, da sie von den Fähigkeiten und der Auffassungsgabe des einzelnen Schülers abhängen. Zum Abschluss des Führerscheins der Klasse L muss nur eine Theorieprüfung bestanden werden, für die Klasse T sind eine bestandene Theorie- und eine bestandene Praxisprüfung von Nöten. Wer die Prüfung einmal bestanden hat, muss seinen Führerschein jedoch nicht noch einmal erneuern – sowohl L als auch T sind unbegrenzt gültig.

Führerschein Traktor

Die Versicherung

Eine Versicherungspflicht für Traktoren besteht erst dann, wenn diese auch im öffentlichen Straßenverkehr eingesetzt werden. Das heißt, wird ein Traktor ausschließlich innerhalb der Grenzen eines privaten Grundstücks bewegt, ist die Versicherung des Fahrzeuges optional. Bei der normalen Traktor-Versicherung handelt es sich im Grunde genommen um eine Kfz-Versicherung für landwirtschaftliche Nutzfahrzeuge. Diese Versicherung setzt sich aus Basis- und Sonderleistungen zusammen.

Bei den Basisleistungen handelt es sich vorranging um eine Haftpflichtversicherung, die einerseits für Schäden gilt, die durch Unfälle entstehen, andererseits jedoch auch für Schäden durch Umwelteinflüsse. Auch die Absicherung für Schäden aus technischen Gründen ist hier enthalten. Die Sonderleistungen hingegen sind vergleichbar mit der Kaskoversicherung und variieren je nach Ausstattung, Einsatzgebiet und Leistung des Traktors. Hier gilt, dass je nach Ausstattung des Traktors nicht unbedingt eine Vollkasko-Versicherung nötig ist. So benötigt beispielsweise ein Traktor mit offener Plattform keine Kasko-Versicherung für Glasschäden, da überhaupt keine Glasflächen vorhanden sind. Die Sonderleistungen sollten also gut auf das eigene Traktormodell abgestimmt werden

Neben den gewählten Sonderleistungen werden die letztendlichen Kosten der Versicherung noch von deutlich mehr Faktoren beeinflusst. Einerseits handelt es sich hier um Eigenschaften des Traktors selbst wie Modell, Baujahr und Zustand des Fahrzeuges. Doch auch Verkehrswidrigkeiten und Unfälle aus der Vergangenheit des Fahrers können einen Einfluss auf die Höhe der Kosten haben. Des Weiteren gibt es wahlweise einen Schadensfreiheitrabatt. Dies bedeutet, je länger der Traktor unfallfrei unterwegs ist, desto günstiger wird die Versicherungsprämie. Generell lässt sich sagen, dass die günstigste Versicherung für Ihren Traktor nur mit Hilfe von Einholen und Vergleichen verschiedener Angebote gefunden werden kann.

SteuernundVersicherung

Die Steuern

Welche Kosten kommen nun mit den Steuern auf Sie zu? Laut Gesetz sind jegliche Zugmaschinen, die ausschließlich für land- und forstwirtschaftliche Zwecke genutzt werden, von der Steuer befreit. Das bedeutet, der Traktor darf nur in land- bzw. forstwirtschaftlichen Betrieben, für die Durchführung von Lohnarbeiten in diesen Bereichen, zur Beförderung (diese muss entweder an einem land-/forstwirtschaftlichen Betrieb beginnen oder enden) oder zur Pflege von öffentlichen Grünflächen und Straßenreinigung eingesetzt werden, wenn diese im Auftrag von Gemeinden durchgeführt werden. Die Steuerbefreiung gilt nicht mehr, sobald der Traktor zur Vorführung oder für private Einkäufe genutzt wird. Ist die Steuerbefreiung erfolgreich wird dem Traktor ein grünes Kennzeichen zugeteilt.

Soll der Traktor eher in der Freizeit und zu Hobby-Zwecken genutzt werden, ist die Steuerbefreiung nicht möglich. In diesem Fall wird dem Traktor ein schwarzes Kennzeichen zugeteilt. Wiegt die Zugmaschine nicht über 3.500 kg wird die Steuer pro angefangene 200 kg Gesamtgewicht berechnet. Zwischen 3.000 und 3.500 kg liegt der Beitrag beispielweise bei 12,78 € pro angefangene 200 kg, pro Jahr. Bei einem Gewicht über 3.500 kg wird ebenfalls pro angefangene 200 kg gerechnet, allerdings wird hier noch zusätzlich die Emissionsklasse berücksichtigt. Am günstigsten ist die Schadstoffklasse S2 oder besser (der maximal zu zahlende Betrag liegt hier bei 556 € im Jahr bei über 12.200 kg Gewicht). Am teuersten wird es, wenn der Traktor keine Schadstoffklasse besitzt (hier können sich die Steuern dann auf maximal 1.681 € bei einem Gewicht von über 15.800 kg belaufen).

Wo darf der Traktor fahren?

Das kommt ganz auf die Höchstgeschwindigkeit Ihres Traktors an. Sobald diese bei weniger als 60 km/h liegt, darf der Traktor nicht auf Bundesstraßen gefahren werden, die gleichzeitig auch eine Kraftfahrstraße sind. Denn Kraftfahrstraßen, ebenso wie Autobahnen, dürfen nur von Kraftfahrzeugen mit einer Höchstgeschwindigkeit von über 60 km/h befahren werden. Ist der Traktor schneller als 60 km/h können trotzdem seine Maße für Einschränkungen sorgen. Sobald er (auch mit Ladung auf dem Anhänger) eine Höhe von 4 m sowie eine Breite von 2,55 m überschreitet, ist es ihm nicht erlaubt, auf Kraftfahrstraßen zu fahren. Für alle Bundesstraßen, die keine Kraftfahrstraßen sind, gilt jedoch, dass auch Traktoren mit einer Maximalgeschwindigkeit von unter 60 km/h diese befahren dürfen. Zusätzlich hierzu gilt, dass mehrspurige Zugmaschinen, die eine Geschwindigkeit von 60 km/h nicht überschreiten können, mit einem gut sichtbaren Geschwindigkeitsschild ausgezeichnet werden müssen.

 

verfasst von Lisa Vaegs

 

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4 thoughts on “Versicherung, Führerschein, Steuern – Das braucht der Traktorfahrer”

  1. Leider ist der Artikel nicht ganz korrekt. Seit einer Änderung der Rechtslage vor ein paar Jahren, gilt die Klasse L für Zugmaschinen bis 40 km/h Höchstgeschwindigkeit.
    Außerdem fehlt der Hinweis, dass mit der Klasse L nur Anhänger bis 25 km/h mit einem entsprechenden Geschwindigkeitsschild mitgeführt werden dürfen.

    Ein weiterer wichtiger Hinweis ist, dass beim Wegfall des LuF-Zwecks nicht nur Steuern bezahlt werden müssen, sondern dass die Führerschein Klassen L und T nur für Fahrten mit LuF-Zweck gelten.
    Bei gewerblichen Fahrten ist die Klasse C1E oder CE erforderlich.

  2. Vielen Dank für diese Rückmeldung. Wir werden uns zeitnah darum kümmern und die Anmerkungen einarbeiten.

    Beste Grüße vom traktorpool-Team

  3. Hallo Frau Vaegs,
    Das stimmt leider nicht ganz. Beim Führerschein gilt inzwischen eine andere Reglung.
    Viele Grüße Stefan
    siehe folgender Auszug:
    http://gartenbau-rlp.de/component/k2/item/148-ausdehnung-der-fahrerlaubnisklasse-l-%E2%80%93-schlepper-bis-40-km

    Aufgrund einer Überarbeitung der Fahrerlaubnisverordnung (FeV) haben sich auch für den Gartenbau und die Landwirtschaft Veränderungen ergeben. Diese Änderungen sind am 30. Juni 2012 in Kraft getreten.

    Von besonderem Interesse dürfte die Änderung bei der Führerscheinklasse L sein. Mit dieser Führerscheinklasse durften bisher nur Fahrzeuge geführt werden, die nicht mehr als 32 km/h fahren konnten. Da die meisten Schlepper aber heute eine bauartbedingte Höchstgeschwindigkeit (bbH) von 40 km/h haben, konnten diese bisher mit der Führerscheinklasse L nicht geführt werden. Dies wurde jetzt geändert. Ab sofort kann, wer im Besitz der Führerscheinklasse L ist, auch Schlepper mit bis zu 40 km/h bbH fahren.

    Da der Führerschein Klasse B (Autoführerschein) die Klasse L einschließt, können jetzt alle Personen, die im Besitz des Führerscheins Klasse B sind, legal Schlepper bis 40 km/h bbH fahren.

    Insbesondere für Personen, die nur gelegentlich im gartenbaulichen oder landwirtschaftlichen Betrieb tätig sind, wie Aushilfen, Praktikanten oder ausländische Saisonarbeitskräfte, ist dies eine Erleichterung. Gerade bei den Letztgenannten gab es in der Vergangenheit immer wieder Probleme. Da es sich bei der landwirtschaftlichen Führerscheinklasse um eine nationale, also deutsche Klasse handelt, konnten ausländische Saisonarbeitskräfte den „40er Schlepper“ auf öffentlichen Straßen nicht fahren, wenn sie „nur“ im Besitz der EU Klasse B waren.

    Dies ist nun möglich. Damit dürfte zumindest in einigen Fällen jetzt das Führen von Schleppern durch Saisonarbeitskräfte möglich werden.

    Aber Achtung:
    Nach wie vor gilt für Klasse L eine max. Geschwindigkeit von 25 km/h beim Mitführen von Anhängern. Die Geschwindigkeitsbegrenzung gilt sowohl für zulassungsfreie (25 km/h) als auch für zugelassene Anhänger (z.B. bis 40 km/h): 25 km/h dürfen nicht überschritten werden. Bei Missachtung können empfindliche Geldbußen und eine Erhöhung des Punktekontos in Flensburg die Folge sein, denn es handelt sich dann nicht nur um eine Geschwindigkeitsüberschreitung, sondern auch um das „Fahren ohne Fahrerlaubnis“ – und das trifft Fahrer und Halter gleichermaßen.

    Ebenfalls nicht geändert hat sich die max. Höchstgeschwindigkeit von selbstfahrenden Arbeitsmaschinen, die mit der Klasse L bewegt werden dürfen. Die bbH solcher selbstfahrenden Arbeitsmaschinen darf weiterhin nur max. 25 km/h betragen. Wer selbstfahrende Arbeitsmaschinen mit höheren Geschwindigkeiten fahren will, muss in Besitz der Führerscheinklasse T sein. Dies dürfte bei den meisten Saisonarbeitskräften nicht der Fall sein, denn die Klasse T wird nicht von der Klasse B eingeschlossen.

    Mit der Führerscheinklasse T dürfen gegenüber der Führerscheinklasse L dann Schlepper und Anhänger bis 40 km/h bzw. ab 18 Jahren bis 60 km/h bbH gefahren werden. Zudem können selbstfahrende Arbeitsmaschinen bis 40 km/h bbH bewegt werden. Sofern diese Grenzen überschritten werden, werden die Führerscheinklassen C/CE (LKW) benötigt.

  4. Vielen Dank für diesen ausführlichen Hinweis. Gerne überprüfen wir das und werden es zeitnah einarbeiten.

    Ihr traktorpool Team

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