„Wachse oder Weiche“ – Strukturwandel in der Landwirtschaft

Seit über 50 Jahren durchlebt die deutsche Landwirtschaft einen grundlegenden Strukturwandel – Diese wesentlichen Veränderungen betreffen vor allem kleine Betriebe, denn ohne ausreichende Erträge oder eine rentable Einkommenskombination fehlt oftmals die Existenzgrundlage.

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„Früher ernährte ein landwirtschaftlicher Betrieb 10 Menschen – heute 1.000“

Der wirtschaftliche Aufschwung nach dem zweiten Weltkrieg hatte eine stark wachsende Mechanisierung sowie eine Abwanderung vieler bäuerlicher Arbeitskräfte zur Folge. Seither fiel die Anzahl der Betriebe und der Beschäftigten kontinuierlich, während die Flächenausstattung und Tierbestände pro Betrieb stark zugenommen haben. Die steigenden Kosten für Arbeit, Boden und Kapital drängten viele Landwirte weg von Gemischtbetrieben mit Vieh und Acker hin zu einer immer stärkeren Spezialisierung – mit dem Ziel auf Kostendegression und einer bestmöglichen Rendite.

 

Spezialisierung und Konzentration

Mit dem Fortschritt des Strukturwandel (s) haben sich besonders in der Hühnerhaltung, der Rinder- und Schweinemast hoch technisierte Betriebe mit großen Beständen durchgesetzt. Insgesamt wurden im Jahr 2010 rund 60.700 Betriebe mit Geflügelhaltung in Deutschland gezählt. Davon hielten 15 % ausschließlich Geflügel. Auf sie entfielen 64 % des gesamten Geflügelbestandes in Deutschland. Ein ähnliches Bild gibt es bei den Schweinen. Lediglich rund ein Drittel der etwa 60.800 Betriebe mit Schweinen war auf die Schweinehaltung spezialisiert. In diesen Betrieben wurden jedoch 61 % aller Schweine in Deutschland gezählt. Dies bestärkt nur die Annahme, dass der Strukturwandel in der Landwirtschaft tendenziell mehr spezialisierte Großbetriebe hervorgebracht hat und klassische Erzeuger umdenken müssen.

 

Effektivere Produktion durch technischen Fortschritt

Mit Blick auf den Strukturwandel der vergangenen 50 Jahre ist außerdem ein beachtlicher Produktionszuwachs in sämtlichen Agrarsparten zu beobachten. Neue Saatgutsorten, Dünge- und Pflanzenschutzmittel sorgen für deutliche Ertragssteigerungen bei Anbauprodukten. Aber auch bei der Tierproduktion wurden im Kraftfuttereinsatz durch optimierte Fütterung und Zuchtfortschritte erhebliche Leistungssteigerungen erzielt. Zusätzlich änderten sich die Rahmenbedingungen für eine betriebswirtschaftliche rentable Produktion von erneuerbaren Energien mit Einführung des EEG (Erneuerbaren-Energien-Gesetzes) im Jahr 2000 – zugunsten der Kleinbauern. Denn staatliche Subventionen ermöglichen heute auch kleineren (Gemischt-) Betrieben als Energiewirte zusätzliche Einnahmen zu erzielen und Existenzen zu sichern.

 

Zusätzliche Tätigkeiten und Einkünfte

Die Kombination von Einkommen hat nicht nur durch Gesetzesänderungen und Subventionen stark an Bedeutung gewonnen. Auch vertragliche Arbeiten, beispielsweise Dienstleistungen für andere Betriebe und Kommunen spielen für kleine Erzeuger eine Rolle. Ferner noch hat die Forstwirtschaft sowie die Verarbeitung und Direktvermarktung landwirtschaftlicher Erzeugnisse, der sich immerhin rund 14 % der Betriebe verschrieben haben, an Relevanz gewonnen. Im Vordergrund steht dabei jedoch nach wie vor die Erzeugung von erneuerbaren Energien, vor allem das Betreiben von Windkraft- und Biogasanlagen generiert Einkünfte, die für Kleinbauern lebenswichtig sind. Somit erzielen rund ein Drittel aller Betriebe Einkünfte aus zusätzlichen Tätigkeiten. Im Vergleich zu 2007 ist die Zahl dieser Betriebe dem Statistischen Bundesamt zufolge um 31 % angestiegen.

 

Ungesicherte Hofnachfolge

Der Strukturwandel ist in vollem Gange – Hinzu kommen zahlreiche Fälle, in denen Altbauern ihre Betriebe aufgeben müssen, weil sich tendenziell weniger passende Hofnachfolgen finden lassen. Somit werden jährlich über 7000 Betriebe wegen ungesicherter Hofnachfolge geschlossen und verkauft bzw. verpachtet. An dieser Stelle ist es der Plattform hofgründer.de gelungen, mit seinen Aktivitäten Hofabgebende und engagierte Hofnachfolger zueinander zu bringen und somit seit Generationen bestehende Höfe und Kleinstbetriebe ein Stück weit zu erhalten. Entstanden war die Plattform aus einem gemeinsamen Wunsch, den Personen aus verschiedenen landwirtschaftlichen Bildungseinrichtungen teilten – Einen Einstig in die praktische Landwirtschaft finden, ohne einen Hof innerhalb der Familie zu erben. Christian Vieth, Initiator und Leiter von hofgründer.de, hat genau das erkannt und es sich zur Aufgabe gemacht, bestehende Informationsdefizite abzubauen, Verständnis und Akzeptanz für die Thematik zu erzeugen und beide Seiten – Abgebende und Nachfolger – erfolgreich zueinander zu bringen.

Mehr dazu auf http://www.hofgruender.de

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Die wesentlichen Schwerpunkte des Strukturwandel (s) auf einen Blick

  • Tendenzielle Spezialisierung und Konzentration landwirtschaftlicher Großbetriebe
  • Effektivere Produktion durch technischen Fortschritt
  • Zusätzliche Tätigkeitsfelder und Einkünfte bei Altbauern und Kleinstbetrieben
  • Zunehmend ungesicherte Hofnachfolge bei Familienbetrieben

(Quellen: http://www.aid.de/landwirtschaft/agrarstruktur_gestern_heute.phphttp://www.raiffeisen.com/news/artikel/30217772)

Beitrag: Maximilian Rhein